„Der Deutsche Seniorentag war ein Quantensprung“

Schirmherr Bundespräsident Horst Köhler betont die wichtige Rolle der Senioren


Schirmherr des 8. Deutschen Seniorentages Bundespräsident Horst Köhler in Begleitung seiner Ehefrau beim offiziellen Fototermin.

Interview mit Dr. Barbara Keck, Geschäftsführerin der BAGSO Service GmbH, zum 8. Deutschen Seniorentag in Köln

Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf des 8. Deutschen Seniorentags und der begleitenden SenNova in Köln?

Dr. Barbara Keck: Ich bin sehr zufrieden. In den drei Tagen haben sich 20.000 Besucherinnen und Besucher bei mehr als 170 Ausstellern informiert. Das ist doppelt so viel, wie wir erwartet haben. Mit 187 Presseakkreditierungen haben wir auch in diesem Bereich einen Quantensprung vollzogen. Zudem hatten wir mit dem Bundespräsidenten Horst Köhler und der Bundesministerin Ursula von der Leyen hochkarätige Gäste, die nicht nur vor Ort waren, sondern auch inhaltlich und politisch wichtige Akzente gesetzt haben

Frage: Welche Akzente?

Barbara Keck: Der Bundespräsident hat die Bedeutung der Senioren in der Gesellschaft betont und die älteren Menschen aufgefordert, sich weiter zu engagieren. Und er hat unterstrichen, wie unverzichtbar deren Einsatz für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist. Das war ein wichtiges Signal.


Die SenNova 2006 ist eröffnet: Frau Proffesor Ursula Lehr, BAGSO-Ehrenvorsitzende, Familienministerin Ursula von der Leyen, Rita Verhülsdonk, BAGSO-Vorsitzende und Köln Oberbürgermeister Fritz Schramma auf der Hauptbühne der SenNova.

Frage: Noch immer gibt es Bereiche des Lebens, in denen auf die Bedürfnisse von Senioren nicht richtig eingegangen wird. Wie können Sie den Schwung der Veranstaltung mit in den Alltag nehmen?

Barbara Keck: Wir haben in der „Kölner Erklärung” (siehe Anhang) noch einmal unsere Zielsetzung für die nächsten Jahre erläutert. Hier haben wir in Zusammenarbeit mit den Verbänden unsere Forderungen formuliert, die es gilt, in den nächsten Jahren umzusetzen.

Frage: Können sie ein Beispiel nennen, wo noch Verbesserungsbedarf besteht?

Barbara Keck: Im Handel kommt es beispielsweise noch vor, dass ältere Menschen diskriminiert werden. Zwar machen einzelne Unternehmen einiges für Senioren, nur trauen sie sich nicht so recht, darüber zu sprechen. Das führt natürlich dazu, dass die Senioren manche Information gar nicht erhalten. Es wird immer noch zu wenig Werbung mit älteren Menschen gemacht, weil die Firmen fürchten, dadurch die jüngeren Kunden zu vergraulen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass das ein Irrtum ist und solche Unternehmen auf das falsche Pferd setzen.

Frage: Aber hat sich nicht auch schon einiges verbessert?


Die Jungen für die Alten: Auf der Gala im Kölner Gürzenich verkauften die Sportlerinnen und Sportler des Kölner Sportinternates Tombolalose. Fritz Schramma, Köln Oberbürgermeister und Pate des Sportinternates sah das besonders gerne.

Barbara Keck: Doch, natürlich. Es hat einen deutlichen Wandel gegeben. So haben die Finanzdienstleister speziell auf Senioren zugeschnittene Produkte entwickelt. Selbst solche Details wie breitere Gänge in den Supermärkten oder mehr Sitzgelegenheiten in Kaufhäusern helfen dabei, ältere Menschen im Alltag zu unterstützen. Aber, wie gesagt, es gibt noch jede Menge Verbesserungsbedarf.

Frage: Werden die Interessen der Senioren von den politischen Parteien in ausreichendem Maß vertreten?

Barbara Keck: Die große Parteien haben alle eine eigene Seniorenorganisation. Auch in den Ministerien gibt es Abteilungen, die sich um die Belange älterer Menschen kümmern. So hat sich die Förderung des ehrenamtlichen Engagements verbessert. Dennoch: Wir wünschen uns eine noch bessere Umsetzung der Wünsche der Senioren. Ganz wichtig: Die BAGSO fordert den konsequenten Einsatz gegen Altersdiskriminierung.

Frage: Wie war die Mitwirkung der Sponsoren auf den Deutschen Seniorentag und der SenNova:

Barbara Keck: Von den Sponsoren kam nicht nur finanzielle Unterstützung, die natürlich sehr wichtig ist. Sondern auch viele inhaltliche Anregungen. Das erweitert unseren Blickwinkel und war sehr inspirierend. Das gute Echo zeigt uns, dass das Thema „Senioren” in der Gesellschaft immer wichtiger wird und das auch die Unternehmen die Zeichen der Zeit richtig deuten.

Frage: Welche Rolle spielt der Dialog zwischen den Generationen in Ihrer Arbeit?


Schaulaufen: Einer der diesjährigen Hauptsponsoren zeigte auf einer Modenschau die Schokoladenseiten der Generation 50plus

Keck: Dieser Dialog ist uns sehr wichtig. Das ist ein ständiges Thema bei unseren Veranstaltungen. Alter kann eine Chance für ein neues Verhältnis zwischen den Generationen sein.

Frage: Im Rahmen des Deutschen Seniorentages fand eine Gala statt. War die Premiere ein Erfolg?

Babara Keck: Die Gala war ein Volltreffer. Sie hat auch gezeigt, dass das Bild von den ruhigen, stillen Senioren überhaupt nicht stimmt. Beim Auftritt der “Blääck Föös” war der ganze Saal in Bewegung. Alle haben mitgemacht. Senioren mögen eben nicht nur Volksmusik, sondern sind offen für sehr viel mehr.

Frage: Der Seniorentag und die SenNova waren also erfolgreich. Planen Sie den Rhythmus zu erhöhen, von alle drei Jahre auf alle zwei Jahre, oder gar jährlich?

Barbara Keck: Nein, das ist derzeit nicht geplant. Planung und die Umsetzung einer solchen Veranstaltung kostet sehr viel Zeit und Kraft. Zumal wir sehr viel Wert darauf legen, gemeinsam mit den Verbänden den Seniorentag und die SenNova zu gestalten und hochkarätige politische Gäste sowie weitere Partner mit im Boot zu haben.

Frage: Das Besucherinteresse in Köln war groß. Gibt es Überlegungen, Köln als dauerhaften Standort festzulegen?

Barbara Keck: Es stimmt, dass es von Ausstellern Anfragen in diese Richtung gab. Wir können dazu aber noch nichts sagen. Zusammen mit den Verbänden werden wir im November über den nächsten Seniorentag sprechen. Etwa zwei Jahre vor dem nächsten DST wird der nächste Veranstaltungsort genannt. Bislang waren wir alle drei Jahre in einem neuen Bundesland. Sicher ist, daß uns die Stadt Köln sehr unterstützt hat. In der Domstadt haben wir neue Maßstäbe gesetzt wurden. Das zu toppen wird nicht einfach.


Magdalena Brzeska, 26-fache Deutsche Meisterin der Rhythmischen Sportgymnastik und Barmer "Deutschland bewegt sich"-Botschafterin setzte ein Ausrufezeichen zum Auftakt der Kooperation zwischen Barmer und BAGSO.

Frage: So gut der Zuschauerzuspruch war - am Messegelände gab es auch Kritik. Beispielsweise daran, dass die Messe auf vier Etagen stattfand.

Barbara Keck: Das war sicher nicht optimal. Messen auf mehreren Stockwerken sind nie ideal. Auch die Einwände, dass die Gänge teilweise zu eng waren, sind berechtigt. Das lag einfach daran, dass erheblich mehr Gäste gekommen sind, als wir prognostiziert haben. Wir haben den Zuschauerzuspruch im Vergleich zu vor drei Jahren verdoppelt. In der Nachbereitung werden wir die Kritiken sammeln und es zukünftig besser machen.

Frage: Sind Sie denn mit der strategischen Ausrichtung der SenNova zufrieden?

Barbara Keck: Die SenNova soll keine klassische Verbrauchermesse sein, auf der die Leute einkaufen. Es entspricht unserem Konzept, dass sich unsere Gäste umfassend informieren können. Das soll auch so bleiben.

Frage: Bundesministerin von der Leyen hat auf dem DST das Online-Jahr für die Generation 50plus eingeläutet. Wie wichtig ist Ihnen diese Initiative?

Keck: Sehr wichtig. Wir wollen älteren Menschen den Zugang zum Internet erleichtern und zeigen, wie einfach und nützlich das Netz sein kann. Die Senioren können sich dort informieren, Reisen buchen, günstig telefonieren und vieles mehr. In speziellen Kursen haben wir das bereits auf der SenNova vermittelt. In den nächsten 12 Monaten folgen zahlreiche Aktionen und Angebote.

Frage: Wie zufrieden sind Sie mit der Präsenz des Seniorentags in den Medien?

Barbara Keck: In den regionalen Medien waren wir gut vertreten. Zur überregionalen Präsenz kann ich noch nichts Abschliessendes sagen. Da müssen wir die Auswertungen abwarten. Ich glaube aber, daß die überregionale TV-Präsenz besser sein kann, manches weist darauf hin, daß wir bei Print- und Hörfunkmedien sehr gut gelaufen sind. Unser Weg, den persönlichen Kontakt zu den Journalisten zu suchen, hat sich als richtig erwiesen. Dies wollen wir weiter ausbauen.


Dr. Eckard Fiedler, Vorstandsvorsitzender der Barmer Ersatzkasse und Magdalena Brzeska auf dem 8. Deutschen Seniorentag in Köln.

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